Jagdtrieb beim Hund

Wenn ein Hund immer auf der suche nach Rehen, Hasen und Mäusen ist, kann dies eine ganz schöne Belastung für den Halter darstellen. Was es mit dem Jagdtrieb beim Hund auf sich hat, was Sie tun können, damit Ihr Vierbeiner nicht alles jagt was sich bewegt und was Sie sonst noch über den Jagdtrieb wissen müssen verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Was ist der Jagdtrieb beim Hund?

Der Jagdtrieb liegt Hunden wortwörtlich im Blut und ist auf den Urahnen unser Vierbeiner: Den Wolf zurückzuführen.

Während einige Hunderassen sich so gut wie keine jagdlichen Ambitionen haben, ist der Jagdtrieb bei anderen extrem ausgeprägt.

Die meisten Hunde mit einem Jagdtrieb stöbern Wildtiere auf, indem sie deren Spur aufnehmen und diese verfolgen. Es gibt aber auch sogenannte Sichtjäger, die sich bei der Jagd in erster Linie auf ihre Augen verlassen.

Wenn eine potenzielles Beutetier ausgemacht wurde, nehmen Jagdhunde die Verfolgung auf bis sie dazu in der Lage sind, das Tier zu reißen. Andere wiederum versuchen instinktiv das Tier in eine Ecke zu drängen und/oder so zu erschöpfen, dass der Jäger dazu in der Lage ist, einen Schuss abzugeben.

Haben alle Hunde einen Jagdtrieb?

An und für sich verfügen alle Hunde über einen gewissen Jagdtrieb. Dieser ist jedoch bei allen Hunden unterschiedlich stark ausgeprägt.

Einige Hunde können keiner Fliege etwas zu leide tun und interessieren sich nicht mal für die Kaninchen im Park. Bei anderen Hunden ist der Jagdtrieb so stark ausgeprägt, dass nahezu alles gejagt wird, was sich bewegt.

Wie stark der Jagdtrieb eines Hundes ist hängt in erster Linie von der Rasse ab.

Es gibt allerdings auch vermeintliche Jagdhunde die absolut kein Interesse an der Jagd zeigen.

Ist der Jagdtrieb gefährlich?

Ja! Ein unkontrollierter Jagdtrieb kann schnell gefährlich werden. Hat ein Hund erst einmal die Verfolgung aufgenommen, schaltet dieser meist auf Durchzug und ist oftmals nicht mehr zu stoppen.

In einer Situation wie dieser werden sowohl Autos als auch andere lebensgefährliche Gefahren vollkommen ausgeblendet.

Neben dem jeweiligen Hund ist dabei immer auch das gehetzte Tier in Gefahr. Jahr für Jahr werden Rehe, Hasen sowie andere Wildtiere zu Tode gehetzt und/oder brutal attackiert.

Um solche oder ähnliche Szenarien zu verhindern sollten Jagdhunde entweder an die Leine genommen- oder entsprechend trainiert werden.

Wichtig: Solange Sie den Jagdtrieb Ihres Hundes nicht im Griff haben, sollten Sie diesen mit einer Schleppleine (in Verbindung mit einem Geschirr) sichern. Als zusätzliche Sicherheit im Notfall empfiehlt sich die Verwendung eines Ortungsgeräts.

Was macht den Jagdtrieb so besonders?

Wenn ein Hund eine Fährte verfolgt oder einem Reh hinterherhetzt handelt es sich dabei um ein selbstbelohnendes Verhalten. Das bedeutet, dass – unabhängig vom Ausgang der Jagd – Endorphine freigesetzt werden.

Dabei handelt es sich um einen Trick“ der Natur“, um Wölfe und andere Raubtiere auch nach einem Misserfolg zur Jagd zu motivieren.

Da aus Hundesicht jede Jagd ein Erfolg ist, ist es besonders schwer, den Jagdtrieb beim Hund abzutrainieren.

Halter eines Jagdhundes benötigen erfahrungsgemäß viel Geduld und Durchsetzungsvermögen, wenn sie den Jagdtrieb ihres Lieblings in den Griff kriegen wollen.

Woran erkenne ich ob mein Hund einen Jagdtrieb hat?

Ob ein Hund einen Jagdtrieb hat oder nicht lässt sich oftmals bereits in Alltagssituationen erkennen.

Zu den möglichen Anzeichen für einen ausgeprägten Jagdtrieb zählen unter anderem folgende Verhaltensweisen.

  • Jagen von Insekten
  • Das Hinterherrennen von Vögeln
  • Spielerisches verfolgen von Artgenossen
  • Erstarren und Anpirschen im Spiel mit anderen Hunden
  • Ausbuddeln und fangen von Mäusen und/oder Maulwürfen
  • Starkes Interesse an allem was sich bewegt – Fahrradfahrer, Jogger etc.

Welche Hunderassen haben einen Jagdtrieb?

Im Laufe der Geschichte wurden viele Hunderassen zu Jagdzwecken gezüchtet. Einige der bekanntesten Jagdhundrassen haben wir unten für Sie aufgelistet.

  • Dackel
  • Jack Russell
  • Rhodesian Ridgeback
  • Münsterländer
  • Galgo
  • Beagle
  • Weimaraner
  • Deutsche Bracke

Jagdtrieb beim Hund abgewöhnen

Um den Jagdtrieb beim Hund in den Griff zu bekommen gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Die wichtigsten Tipps und Tricks haben wir unten für Sie zusammengefasst.

Erhöhen Sie die Bindung zu Ihrem Vierbeiner

Um Ihren Hund vom Jagen abzuhalten müssen Sie, zum Mittelpunkt von dessen Welt werden.

So können Sie dafür sorgen, dass sich Ihr Vierbeiner bei gemeinsamen Spaziergängen an Ihnen orientiert, statt im Dickicht nach Wild zu suchen.

Damit sich die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Hund erhöht können Sie unterschiedliche Maßnahmen ergreifen.

Wir raten Ihnen, das Handy in der Tasche zu lassen und ein Beschäftigungsprogramm zu entwerfen. Verstecken Sie sich unerwartet vor Ihrer Fellnase, rufen Sie Ihren Vierbeiner regelmäßig zurück und nehmen Sie dessen Lieblingsspielzeug mit nach draußen.

So machen Sie sich interessanter für Ihren Hund und verhindern, dass dieser sich aus Langeweile auf die Jagd macht.

Suchen Sie sich professionelle Hilfe

Wenn der Jagdtrieb Ihres Hundes so stark ausgeprägt ist, dass Sie daran verzweifeln, sollten Sie sich an einen erfahren Hundetrainer wenden.

Dies ist eine deutlich bessere Lösung als aufzugeben und den Hund zu einem Leben an der Leine zu verdonnern.

Häufig fehlen nur einige professionelle Ratschläge von außen, um den Durchbruch zu erlangen.

Mittlerweile gibt es in nahezu jeder Region Hundeexperten, die sich auf den Jagdtrieb beim Hund und geeignete Trainingsmethoden spezialisiert haben.

Damit Sie das erlernte auch Umsetzen können, wenn Sie auf sich allein gestellt sind, sollte das Training nach Möglichkeit auch unter realen Bedingungen – das heißt im Wald oder auf dem Feld – und nicht nur auf dem Hundeplatz stattfinden.

Alternativverhalten

Hunderassen wie dem Viszla oder dem Dackel liegt das Jagdverhalten in den Genen.

Hunde, die über einen starken Jagdtrieb verfügen fühlen sich häufig unterfordert, wenn sie keine Aufgabe haben und können sogar depressiv werden.

Um Ihren Liebling Artgerecht auszulasten eignen sich Spiele mit dem Futterbeutel oder Mantrailing. Auch regelmäßige Trainingseinheiten auf der Hundelaufbahn sind dazu geeignet, Ihren Hund zu beschäftigen, ohne dass Tiere und Menschen in Gefahr geraten.

Falls Sie sich für entsprechende Übungen interessieren, können Sie sich an einen Hundeverein oder eine Hundeschule in Ihrer Nähe wenden.

Was sollten Sie nicht tun?

Um den Jagdtrieb unter Kontrolle zu bekommen setzten manche Hundehalter auf Elektrohalsbänder.

Diese sind dazu gedacht, dem Vierbeiner per Fernbedienung einen Elektroschock zu verpassen und diesen so für unerwünschtes Verhalten zu bestrafen.

Von der Verwendung entsprechender Geräte möchten wir Ihnen hiermit ausdrücklich abraten. Der Einsatz von Elektrohalsbändern ist in Deutschland verboten und stellt einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar.

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