Beschwichtigungssignale beim Hund

Wer sich als Hundehalter mit dem Verhaltensrepertoire unserer geliebten Vierbeiner auseinandersetzt wird dabei früher oder später auch über sogenannte Beschwichtigungssignale stolpern. Was Beschwichtigungssignale sind und welche es gibt erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist ein Beschwichtigungssignal?

Mit einem Beschwichtigungssignal drücken Hunde meistens aus, dass sie sich unwohl fühlen.

Alternativ werden Beschwichtigungssignale eingesetzt, um einen bedrohlich wirkenden oder gestressten Artgenossen zu beruhigen.

Um ein Beschwichtigungssignal beim Hund erkennen und deuten zu können, muss man das Verhalten des jeweiligen Vierbeiners immer im Situationskontext betrachten.

Warum setzen Hunde Beschwichtigungssignale ein?

Beschwichtigungssignale kommen in den verschiedensten Situationen zum Einsatz.

Folgende Varianten sind am häufigsten:

  • „Ich stelle keine Gefahr dar, bitte lass mich in Ruhe“
  • „Ich möchte das nicht, lass das bitte“
  • „Ich bin genervt“
  • „Das hat mir Angst gemacht“
  • „Ich versuche mich zu beruhigen“

Wichtig: In einigen Fällen dienen Beschwichtigungssignale der Kommunikation mit anderen Individuen. Sie können aber auch verwendet werden, um ein persönliches Stressempfinden zu reduzieren. In der Regel ist es eine Kombination aus beidem.

Wussten Sie, dass nicht nur Hunde-, sondern auch wir Menschen Beschwichtigungssignale benutzen?

Dies geschieht zwar meistens vollkommen unbewusst, wird aber von unseren Mitmenschen sehr wohl wahrgenommen und entsprechend gedeutet.

Beispiele für Beschwichtigungssignale beim Menschen:

  • Auf den Lippen kauen
  • Blickkontakt brechen
  • Kratzen
  • Dehnen
  • Fingernägel knabbern
  • Mit Gegenständen herumspielen

Warum Sie Beschwichtigungssignale beim Hund erkennen sollten

Als Hundehalter ist es wichtig, dass Sie dazu in der Lage sind, Beschwichtigungssignale Ihres Lieblings und anderer Vierbeiner zu erkennen und zu deuten. Auf diese Art und Weise können Sie – für Ihren Hund – unangenehme Situationen rechtzeitig wahrnehmen und falls notwendig einschreiten.

Auch für Tierärzte, Hundetrainer oder Hundefriseure ist es wichtig, Beschwichtigungssignale zu erkennen. Schließlich geben Hunde in der Regel klare Zeichen, bevor Sie sich dazu gezwungen sehen zuzubeißen.

Sind Beschwichtigungssignale „schlecht“?

Wenn ein Hund versucht einen Artgenossen – oder auch einen Menschen – zu beschwichtigen handelt es sich dabei um eine ganz normale Form der Kommunikation.

Beschwichtigungssignale werden nicht nur in potenziell bedrohlichen Situationen- sondern auch beim Spielen verwendet (etwa wenn es einem der Hunde zu ruppig zugeht).

Wer beim Spaziergang mit seinem Vierbeiner aufmerksam ist, wird feststellen, dass Hunde sehr häufig- und in den verschiedensten Situationen beschwichtigen.

Gut sozialisierte Hund antworten auf eine entsprechende Nachricht sogar, in dem Sie das Verhalten spiegeln und so klarmachen, dass Sie keine bösen Absichten haben.

Kurz gesagt: Beschwichtigungssignale sind alles andere als schlecht und sollten unter keinen Umständen ignoriert oder gar unterbunden werden.

Gängige Beschwichtigungssignale beim Hund

Nachdem wir Ihnen nun erklärt haben, was Beschwichtigungssignale sind und wann diese benutzt werden, wollen wir Ihnen im folgenden Abschnitt einen Überblick über die gängigsten Beschwichtigungssignale geben:

Angespannter Gesichtsausdruck

Um dieses Beschwichtigungssignal zu erkennen, benötigt man etwas Erfahrung und ein gutes Auge. Während einige Vierbeiner klare „Stressfalten“ rund um die Schnauze zeigen, ziehen andere ihre Augenbrauen hoch oder verziehen ihre Nase.

Angelegte Ohren

Viele Hunde legen ihre Ohren an, wenn sie unsicher sind. Als Hundebesitzer werden Sie mit der Zeit sehr genau wissen, welche Stellung die Ohren Ihres Lieblings haben, wenn dieser entspannt ist. Dies macht es Ihnen leichter zu erkennen, ob die Ohren angelegt sind oder nicht.

Gähnen

Ein Gähnen beim Hund muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass dieser müde ist. In einer befremdlichen/unangenehmen handelt es sich dabei oftmals um ein Beschwichtigungssignal.

Heben der Pfote

Auch das Heben der Pfote zählt zu den Beschwichtigungssignalen beim Hund. Während einige Hunde die Pfoten nur leicht an lupfen, heben andere diese bis zur Brust, um sich verständlich zu machen.

Schnüffeln

Hunde erkunden ihre Umgebung mit der Nase und haben diese dementsprechend oft am Boden. Was viele Hundefreunde nicht wissen ist, dass Schnüffeln auch eine Form der Beschwichtigung darstellen kann. Das Verhalten lässt sich unter anderem beobachten, wenn ein eher zurückhaltender Hund von stürmischen Artgenossen bedrängt wird.

Pinkeln

Nicht nur das Schnüffeln, sondern auch das Pinkeln gehört zu den Beschwichtigungssignalen, dass vielen Hundehaltern unbekannt ist. Im Allgemeinen lässt sich das Pinkeln in die Kategorie der friedlichen Kommunikation einordnen. Bei zusammentreffen vieler Hunde – etwa in der Hundeschule oder im Hundepark – kann es vor lauter Aufgeregtheit der anwesenden Vierbeiner zu regelrechten „Pinkel-Sessions“ kommen.

Zusammenkneifen der Augen

Manche Hunde senken Ihren Blick oder weichen dem Blick ihres Gegenübers nach links oder rechts aus. Dieses Verhalten lässt sich insbesondere dann beobachten, wenn sich zwei Hunde direkt anstarren, kann aber auch dann vorkommen, wenn wir versuchen, ein Foto von unserem Liebling zu machen.

Schütteln

Hunde können Ihren Stress im wahrsten Sinne des Wortes abschütteln. In der Regel findet das Schütteln kurz nach einer beängstigenden- oder stressigen Situation statt.

Kratzen

Wenn sich Ihr Hund beim Toben plötzlich kratzt, kann es sein, dass er dies tut, um zu beschwichtigen. Das Kratzen dient in diesem Fall nicht etwa der Befriedigung eines Juckreizes, sondern der Deeskalation.

Eingeklemmte Rute

Die Rutenhaltung kann uns viel über den Gemütszustand eines Hundes verraten. Wenn Sie einen Hund mit eingeklemmter Rute sehen, ist dies meistens ein klares Beschwichtigungssignal. Um abschätzen zu können, ob sich ein Hund tatsächlich bedrängt-/unwohl fühlt muss selbstverständlich berücksichtigt werden, wie dieser seine Rute normalerweise trägt.

Hecheln

Hunde hecheln um  im Sommer Wärme abzuleiten, fangen aber auch an zu hecheln, wenn Sie nervös/gestresst sind.

Niedrige Körperhaltung

Wenn ein Hund sich klein macht oder gar auf den Rücken dreht, möchte er damit zum Ausdruck bringen, dass er keine Bedrohung darstellt.

Wichtig: Wir möchten Sie erneut darauf hinweisen, dass die Signale immer im Kontext der jeweiligen Situation betrachtet werden müssen.

Sollte Ihr Hund sich beispielsweise nach dem Ausschlecken eines Joghurtbechers die Lefzen lecken, tut er dies aller Wahrscheinlichkeit nach, um auch den letzten Rest Joghurt zu fassen zu bekommen und nicht um Sie zu beschwichtigen.

Wie verhalte ich mich, wenn mein Hund Beschwichtigungssignale zeigt?

Leider existiert nach wie vor der Irrglaube, dass Hunde sich schämen oder schuldig fühlen, wenn Sie sich die Lefzen lecken oder andere Beschwichtigungssignale zeigen.

Dies ist schlicht und ergreifend falsch! Es gilt als wissenschaftlich erwiesen, dass Hunde keine Schuldgefühle empfinden können.

Beschwichtigt ein Hund, nachdem er etwas getan hat, von dem sein Halter nicht erfreut hat, tut er dies ausschließlich, um die Situation zu entschärfen.

Dies bedeutet nicht, dass Sie die Beschwichtigungssignale Ihres Lieblings einfach ignorieren sollten.

Wenn Ihr Hund beim Tierarzt oder in ähnlich stressigen Situationen beschwichtigt, müssen Sie abschätzen, ob Handlungsbedarf besteht oder nicht.

Sollte es die Möglichkeit geben, Ihren Hund aus seiner misslichen Lage zu befreien, ist es ratsam dies zu tun.

Zwingen Sie Ihren Vierbeiner nicht dazu, etwas zu tun, dass er ganz offensichtlich nicht will (es sein denn, es ist unvermeidbar). Dies könnte das Vertrauensverhältnis zerstören und Ihre Fellnase verunsichern.

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