Norwegischer Lundehund

Ein norwegischer Lundehund mit einem Halsband

Obwohl der Norwegische Lundehund über einzigartige Fähigkeiten verfügt, ist er vielen Hundehaltern unbekannt. Wir haben die skandinavische Hunderasse näher unter die Lupe genommen und verraten Ihnen im folgenden Artikel alles, was Sie über den Lundehund wissen müssen. 

Herkunft: Norwegen
FCI: Gruppe 5: Spitze und Hund vom Urtyp
Gewicht: 7 Kg
Widerristhöhe: 32 - 38 cm
Lebenserwartung: 12 - 14 Jahre
Fellfarbe: schwarz, weiß, grau, rot, gelb
Besonderheiten: verschließbare Ohren zum Tauchen

Herkunft und Geschichte

Wo genau der Norwegische Lundehund erstmals gezüchtet wurde, lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Man geht davon aus, dass der Ursprung der Rasse in der Finnmark – dort wurde sein Vorkommen 1666 von dem Italiener F.Negri dokumentiert – liegt. Es gibt allerdings auch frühe Berichte über Lundehunde auf der Insel Værøy, in Norwegen.

Besonders Måstad, ein kleiner Ort, auf Værøy, ist eng mit der Geschichte des Lundehundes verknüpft.

Dort diente er über Jahrhunderte hinweg als hilfreicher Begleiter bei der Jagd auf Papageientaucher und deren Gelege an den rutschigen, nahezu unzugänglichen Felsenklippen.

Der Name „Lundehund“ leitet sich vom norwegischen Wort „Lunde“ (zu deutsch Vogel) ab.

Anatomisch prädestiniert für die Jagd an den Klippen ist der Lundehund unter anderem durch eine sechste Zehe, welche ihn sicher über schroffes, abschüssiges Gelände klettern lässt.

Ferner ermöglichen die beweglich ausgebildeten Schultergelenke ihn, in Verbindung mit seiner eher zierlichen Statur sogar in die engsten Felsspalten zu kriechen.

Seine verschließbaren Ohren erlauben es ihm tiefere Tauchgänge durchzuführen.

Nachdem die Norweger zum ab der Mitte des 19. Jahrhunderts Netze nutzten, um die begehrten Papageientaucher zu fangen, wurde der Lundehund mehr oder weniger überflüssig.

Die der Arbeit entraubten Hunde verwilderten zunehmend, so dass die norwegische Kommune in Måstad auf Værøy eine Hundesteuer erhob. Dies hatte zur Folge, dass die Hunde weitestgehend verschwanden.

Durch die Insellage vermischten sich die verbliebenen Exemplare nicht mit anderen Hunderassen und starben somit fast aus.

Durch eine grassierende  Staupe im Jahr 1940 wurde die Rasse weiter dezimiert, so dass letztendlich nur noch eine handvoll Hunde übrig.

Ihre Besitzerin Eleonora Christi übergab diese den Anwohnern der kleinen norwegischen Insel, um mit ihnen zu züchten.

Dies bedeutet, dass der gesamte, heutige genetische Pool auf diese fünf Lundehunde zurückzuführen ist. 2005 wurden vom nationalen Zuchtverband Norwegens – kurz NKK – 1015 Lundehunde  vermerkt.

Heutzutage ist der Bestand nach wie vor klein aber stabil

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Äußeres Erscheinungsbild

Der kleine, nur 7 Kilogramm schwere Lundehund, erinnert rein äußerlich an einen Fuchs.

Seine Fellfarbe variiert von schwarz, weiß, sable-weiß bis hin zu grau, rot und gelb.

Das Fell ist dicht, mit einem rauen Deckhaar und feiner, weicher Unterwolle, welche die Hunde zuverlässig vor Wind und Wetter schützt.

Seine kleinen, dreieckigen Ohren sind aufrecht angesetzt. Der Körperbau ist kompakt und macht einen rechteckigen Eindruck.

Die Widerresthöhe ist bei Rüden mit 35 bis 38 cm angegeben. Hündinnen sind unwesentlich kleiner. Sie kommen auf eine Widerristhöhe zwischen 32 und 34 cm.

Wesen

Der norwegische Lundehund ist in Anpassung an seine ursprüngliche Lebensweise bis heute ein sehr eigenständig agierender, wachsamer , und temperamentvoller Hund.

Wie viele Jagdhunde hat der Lundehund seinen eigenen Kopf behalten und wird sich nicht vollständig unterordnen.

Der Lundehund besitzt eine natürliche Affinität zum Wasser und liebt es zu schwimmen und zu planschen.

Ist ein Norwegischer  Lundehund kinderlieb?

Aufgrund seiner verspielten Art ist er durchaus für Familien mit Kindern geeignet. Diesen gegenüber verhält er sich stets freundlich und loyal.

Älteren Kindern steht er gerne als ausdauernder Spielpartner zur Verfügung.

Natürlich sollte man seinen Kindern den richtigen Umgang mit Hunden beibringen und diese – bis zu einem gewissen Alter – nicht unbeaufsichtigt lassen.

Bellt ein Norwegischer Lundehund viel?

Ja! Dies ist auch der Grund, warum die Vierbeiner in Norwegen bevorzugt als Hofhunde gehalten werden.

Fremde werden durch lautes und anhaltendes Bellen angezeigt.

Um Ärger mit den Nachbarn zu vermeiden sollte man sich nur dann einen Lundehund anschaffen, wenn man ein Haus auf dem Land hat. So kann der Lundehund bellen ohne jemanden zu stören.

Erziehung

Der Lundehund hat einen starken Willen, der einem bei der Erziehung das ein oder andere graue Haar bescheren kann.

Um dennoch erfolgreich zu sein, sollte man mit positiver Verstärkung arbeiten. Hierzu benötigt man neben einer gehörigen Portion Geduld auch Einfühlungsvermögen und ein wenig Erfahrung im Umgang mit Hunden.

Insbesondere Um dem Lundehund die – bei vielen skandinavischen Hunderassen –  verbreitete Bellfreudigkeit abzutrainieren sollte man einen langen Atem haben.

Der Besuch einer Welpen-/Junghundschule kann für dieses Unterfangen und für die Sozialisation mit anderen Hunden sehr hilfreich sein.

Hat der Lundehund die grundlegenden Kommandos und Regeln erst einmal erlernt, bekommt man einen zugewandten Partner, der einem viel Freude bereitet.

Ernährung

Aufgrund seiner Herkunft wurde der Lundehund in erster Linie mit Fisch, Geflügel und Essensabfällen gefüttert.

Wegen einer beim Lundehund häufiger auftretenden Darmerkrankung, auf die wir im weiteren Verlauf näher eingehen, sollte man kein Fleisch von Säugetieren verfüttern.

Um einer Erkankung vorzubeugen und den Lundehund fit und agil zu halten, empfiehlt es sich, einen Ernährungsexperten für Hunde zu konsultieren. Dieser kann einen individuellen Ernährungsplan erstellen und dabei auf individuelle Besonderheiten/Unverträglichkeiten eingehen.

Rassetypische Krankheiten

Einer der 5 Lundehunde, der zum „Wiederaufbau“  der Rasse eingesetzt wurde, litt unter einer entzündlichen Darmerkrankung, die er weitervererbte.

Das nach der Rasse benannte Lundehundsyndrom führt zu einer schlechten Proteinverwertung, die Durchfall, Gastritis, Erbrechen, sowie Gewichtsabnahme zur Folge haben kann.

Ursächlich hierfür ist eine chronische Verstopfung der Lymphgefäße im Darm.

Ungefähr 10% der Lundehunde trägt das rezessiv vererbte Gen für diese chronische Darmerkrankung in sich.

Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch mit einer Diät die auf einen geringen Fettanteil und einen leicht verdaulichen , Proteingehalt setzt. Entzündungshemmer, die ein lebenslang gegeben werden müssen, vervollständigen die Behandlung.

Eine Heilung ist nicht möglich. Der Verlauf der Erkrankung ist individuell verschieden, jedoch stets fortschreitend und zum Teil tödlich. 

Um so wichtiger ist es sich beim Kauf eines Lundehundes genau über das genetische Erbgut bezogen auf diese Erkrankung zu informieren, um ein gesundes Tier zu erhalten.

Wie alt wird der Lundehund? 

Lundehunde, die genetisch gesund sind können ein Lebensalter von 12-14 Jahren erreichen. Tiere mit chronischer Darmerkrankung haben eine geringere Lebenserwartung.

Was kostet ein Norwegischer Lundehund?

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Bedingt durch die geringe Anzahl an Zuchtstätten sind Norwegische Lundehunde teuer als andere Rassen.

Bei einem guten Züchter  mit Verbandszugehörigkeit liegen die Preise für einen Welpen zwischen 1300€ und 1800€.

Dafür bekommt man allerdings auch einen gechippten und geimpften Vierbeiner aus liebevollen Händen.

Von vermeintlichen „Schnäppchen“ sollte man sich besser fernhalten. Oftmals handelt es sich um skrupellose Vermehrer, die ausschließlich finanzielle Interessen verfolgen.

Quellen und weiterführende Informationen

Titelbild: depositphotos.com – ruseyskiy

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