Hovawart: Ein Hofhund mit einer langen Geschichte

Ein Hovawart auf einem Waldweg

Wenn Sie auf der Suche nach einem zuverlässigen Wach- und Familienhund sind, könnte ein Hovawart genau das richtige für Sie sein. Was den Hovawart so besonders macht erfahren Sie im folgenden Beitrag. 

Herkunft: Deutschland
FCI: Gruppe 2: Pinscher und Schnauzer
Gewicht: 25 - 40 Kg
Widerristhöhe: 58 - 70 cm
Lebenserwartung: 12 - 15 Jahre
Fellfarbe: Schwarz, blond
Besonderheiten: Intelligent und mutig

Herkunft und Geschichte

Als „Hovawart“ bezeichnete man zu früheren Zeiten alle Vierbeiner, die als Wachhunde das Hab und Gut Ihres Herren beschützten.

Die Bezeichnung wurde schon während des Mittelalters –  und damit lange vor der Reinzucht des eigentlichen Hovawarts – verwendet. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts war der Name den Hunden vorbehalten, die dem Hovawart wie wir ihn heutzutage kennen ähnelten.

Der Hovawart als Abkömmling des Königshauses?

Als Begründer der Hovawart-Zucht gilt Kurt Friedrich König, der im Jahr 1922 auf der Suche nach einem zuverlässigen Wach- und Schutzhund war. Zusammen mit seinem Vater begann er mit der Selektion und Verpaarung geeigneter Hunde.

Dabei achtete er darauf ausschließlich Hunde miteinander zu kreuzen, die von Natur aus über einen starken Schutzinstinkt sowie eine ausgeprägte Intelligenz verfügten.

Neben Leonbergern, Neufundländern und Kuvasz kreuzte König auch Schäferhunde ein.

Obwohl sich der Bestand durch den zweiten Weltkrieg stark reduzierte konnte die Rasse durch engagierte Züchter gerettet werden.

1948 also Kurz nach dem Ende des Krieges gründete sich der „Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde“ in Deutschland, der kurz darauf auch den – immer noch gültigen – Rassestandard vorgab.

Heutzutage gilt der „Hofwächter“ als beliebter Familien- Gebrauchshund.

Die Rasse ist offiziell vom VDH anerkannt und wird durch den vom Verband anerkannten Züchtern gezüchtet.

Ein Hovawart liegt im Garten

Äußeres Erscheinungsbild

Mit ihrem großen Schädel, dem muskulösen Hals und einem tiefen Brustkorb wirken die Vierbeiner durchaus imposant. Ausgewachsene Vertreter der Rasse zeichnen sich durch einen kräftigen Körperbau, ihre langen Läufe sowie ihr welliges, glänzendes Fell aus.

Letzteres kann dem Rassestandard zufolge schwarz, blond oder schwarz mit blonden Abzeichen sein. Weiße Flecken an den Pfoten, der Kehle oder auf der Brust sind zulässig.

Die lange, buschige Rute wird im Normalfall locker herabhängend getragen. Den V-förmigen Schlappohren des Hovawarts entgeht kein noch so leises Geräusch.

Wie groß wird der Hovawart?

Mit einer Widerristhöhe von bis zu 70 Zentimetern und einem maximalen Körpergewicht von rund 40 Kilogramm, lässt sich der Hovawart den größeren Hunderassen zuordnen.

Tipp: Hier finden Sie weitere Hunderassen

Wesen

Die wichtigsten Charaktereigenschaften im Überblick: 

  • Agil
  • Territorial
  • Selbstbewusst
  • Eigensinnig
  • Anhänglich
  • Intelligent

Der Hovawart ist nicht nur für seine Intelligenz, sondern auch seinen starken Charakter bekannt.

Die Hunde gelten als unbestechliche, loyale Wächter und Beschützer mit einem ausgeprägten Territorialverhalten. Sein Grundstück bewacht der Hovawart wie kein zweiter. Ungebetene Gäste werden frühzeitig erkannt und gestellt.

Ohne eine entsprechende Beschäftigung fühlen sich die Hunde sichtlich unwohl. Hovawarte wollen/müssen sowohl geistig als auch körperlich gefordert werden, da sie sonst häufig Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Seiner Familie gegenüber ist der Hovawart ein wahres Lämmchen. Er freut sich, wenn er dabei sein darf und genießt jede noch so kleine Streicheleinheit. Kinder sollte man aufgrund der Überschwänglichkeit einiger Rassevertreter nur unter Aufsicht mit dem Hovawart spielen lassen.

Hovawarte sind zwar keine Jagdhunde, verfügen aber dennoch über einen gewissen Jagdtrieb.

Ist der Hovawart gefährlich?

Ein Hovawart sitzt auf einer gruenen Wiese

Nein! Der Hovawart für sich ist kein gefährlicher Hund. Massgeblich ist was Erziehung und Haltung aus ihm hervorbringen.

Die hohe Wachsamkeit sowie der  ausgeprägte Schutzinstinkt müssen durch eine gute Sozialisierung und konsequentes Training kontrollierbar gemacht werden.

Versäumt man dies, können einzelne Exemplare problematische Verhaltensweisen an den Tag legen.

Erziehung

Da es sich beim Hovawart um einen großen, kräftigen Hund mit einem starken Beschützerinstinkt handelt, sollte man die Erziehung unbedingt ernst nehmen.

Inkonsequenz erkennt der Hovawart sofort und nutzt diese schamlos aus. Um sich so manches graues Haar und Ärger mit Ihrem Umfeld zu ersparen, raten wir Ihnen, sich von beginn an um die Sozialisierung und Erziehung zu kümmern.

Mit einer klaren Führung, einigen Leckerlies und dem nötigen Einfühlungsvermögen entwickelt sich der Hovawart zu einem zuverlässigen, lernwilligen Partner, der Spaß am gemeinsamen Arbeiten hat.

Bei Welpenstunden in der Hundeschule sowie den ersten Spaziergängen bekommt Ihr Vierbeiner Kontakt mit Artgenossen.

Anfänger sollten sich bei der Erziehung von einem Hundetrainer unterstützen lassen. Erziehungsfehler und mögliche Baustellen können so schnell erkannt und behoben werden, ohne dass sich unerwünschte Verhaltensmuster festigen.

Rassetypische Krankheiten beim Hovawart

Hovawarte, die aus einer guten Zuchtstätte kommen sind meistens gesund. Es gibt aber dennoch einige Erbkrankheiten, die beim Hovawart häufiger auftreten als bei anderen Hunderassen. Die Krankheiten um die es sich handelt haben wir im nächsten Abschnitt für Sie aufgelistet:

Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)

Eine Schilddrüsenunterfunktion beim Hovawart kann genetisch prädisponiert sein. Einige Hunde bekommen erst im Laufe Ihres Lebens Probleme mit der Schilddrüse. Hovawarte, die unter einer Schilddrüsenunterfunktion leiden neigen zu Haarausfall, stumpfem Fell, Übergewicht, Apathischem Verhalten und Schuppen. Rassevertreter, bei denen eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wird, benötigen ein spezielles Diätfutter sowie Medikamente.

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Viele große Rassen neigen zur Hüftgelenksdysplasie (HD). Als Hüftgelenksdysplasie bezeichnet man ein deformiertes Hüftgelenk. Je nach Schweregrad sind dabei entweder der Oberschenkelkopf, die Gelenkpfanne oder beides betroffen. Eine Hüftgelenksdysplasie kann genetisch bedingt entstehen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass es aufgrund von Haltungsfehlern zu einer HD kommt. Zu den typischen Symptomen einer fortgeschrittenen HD zählen Probleme beim Aufstehen, ein wackliger Gang sowie ein Rückgang der Muskulatur an den Hinterläufen. Eine eindeutige Diagnose ist ausschließlich durch Röntgen möglich.

Lebershunt

Wenn Tiermediziner von einer „Lebershunt“ sprechen ist damit eine Missbildung des Gefäßsystems der Leber gemeint. Dabei differenziert man zwischen einem extrahepatischen Shunt und einem intrahepatischen Shunt. Während bei einem extrahepatischen Shunt eine Missbildung der Gefäße vorliegt, die zur Leber führen, ist bei einem intrahepatischen Shunt die Leber selbst verändert. Hovawarte, die eine Lebershunt haben sind häufig lethargisch und leiden unter Durchfall und/oder erbrechen. Eine Lebershunt ist nicht heilbar. Allerdings lässt sich der Krankheitsverlauf durch Medikamente und eine Ernährungsumstellung hinauszögern.

Lebenserwartung: Wie alt wird ein Hovawart?

Hovawarte erreichen ein Alter von bis zu 12 Jahren. Hunde die gut gepflegt und ernährt werden, haben eine Lebenserwartung von bis zu 14 Jahren.

Ernährung

Der Hovawart ist alles andere als ein Kostverächter. Wie andere Vierbeiner auch benötigt er eine ausgewogene Ernährung.

Das Futter sollte alle wichtigen Nährstoffe enthalten. Achten Sie auf einen hohen Fleischanteil und die Menge an Kohlenhydraten im Futter. Reis, Getreide, Soja und Co sind bis zu einer gewissen Menge Ok, sollten aber nur einen geringen Anteil der täglichen Futtermenge ausmachen.

Im Gegensatz zu erwachsenen Vierbeinern und Hundesenioren haben Welpen andere Bedürfnisse was die Ernährung anbelangt. Lassen Sie sich diesbezüglich am besten von Ihrem Tierarzt beraten.

Halter eines ausgewachsenen Hovawarts können zwischen Feuchtfutter, Trockenfutter und Barf wählen.

Bei der immer beliebter werdenden Barf-Ernährung landen frisches Fleisch, Innereien sowie Obst und Gemüse im Napf. Falls Sie sich für diese Form der Ernährung entscheiden, raten wir Ihnen dazu, einen individuell angepassten Ernährungsplan erstellen zu lassen.

Muss man den Hovawart im Sommer scheren?

Es ist wichtig den Hovawart regelmäßig zu bürsten, um abgestorbene Unterwolle aus dem Fell zu entfernen. Bei mehrfacher, wöchentlicher Pflege ist eine Schur unnötig.

Ferner passt sich das Fell den Jahreszeiten an und ist dem zu Folge im Sommer weniger dicht. Daher muss der Hovawart sowohl im Winter als auch im Sommer nicht geschoren werden.

Ist der Hovawart mit anderen Hunden verträglich?

Aufgrund ihres selbstbewussten Auftretens, ist der Kontakt mit anderen Hunden, insbesondere mit Rüden, oft schwierig.

Diese werden häufig als Reviereindringlinge/Konkurrenten angesehen und dementsprechend angegangen.

Insbesondere bei der Begegnung mit kleineren Hunderassen, kann dies gefährlich werden und zu Verletzungen führen.

Hier sollte der Besitzer des Hovawarts stets ein wachsames Auge auf seinen Schützling haben und ihn rasch Einbremsen.

Wenn man unliebsamen Überraschungen entgehen möchte ist es sicherer Ihren Liebling nur mit bekannten Hunden spielen zu lassen und unbekannte Zufallsbekanntschaften zu meiden.

Noch sinnvoller ist es natürlich, entsprechenden Vorkommnissen durch eine gute Sozialisierung vorzubeugen.

Quellen und weiterführende Informationen

Titelbild: depositphotos.com – radekprocyk

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